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Viele sprachen im Sommer 1945 von der Stunde Null, eine Vokabel, die auch später immer wieder Anwendung fand, wenn es irgendeine Leistung zu würdigen galt, die den eklatanten Fortschritt oder den Unterschied zu früheren Verhältnissen deutlich machen sollte. Es war meines Erachtens eine unsinnige Floskel, weil Null einen neutralen Zustand bezeichnet, wovon man damals weiß Gott nicht sprechen konnte. Für mich, den Fünfundzwanzigjährigen, war die Zustandsbeschreibung einfach, ohne Abwägungen von Verlorenem gegenüber Bewahrtem. Es bedurfte nur der Auflistung dessen, was nicht mehr war und jetzt nach einem Neubeginn verlangte im Denken wie auch im Tun. Dieser würde zu unser aller Erleichterung in einer Solidargemeinschaft mit fast allen Menschen geschehen, die jedes Hervorheben des eigenen Leids, der eigenen Verluste ausschloss, wollten die Menschen sich nicht dem Selbstmitleid ergeben oder darin verkommen. Dennoch konnte ich in der Zustandsbilanz von Soll und Haben sprechen, würde ich mich nicht nur auf die materiellen Dinge beschränken. Ein nie gekanntes Selbstvertrauen hatte sich in mir breitgemacht und gleichzeitig eine Anspruchslosigkeit, die es meiner Fantasie erlaubte, ohne Rücksicht auf bestimmte Mindestforderungen zur Erfüllung von Neigungen oder gar dinglichen Ansprüchen, sich jeden erdenklichen Neubeginn auszumalen. Ja, es war nicht die Stunde Null, sondern es brauchte einer gänzlich neuen Lebensvision, denn auf der Sollseite standen Gegebenheiten, die außer Erinnerungen nichts bewahrt hatten von dem, was für mein Leben bestimmend gewesen war.
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.... Auf unserer Habenseite stand viel an Erfahrung, der gute Name beider Betreiber, auch hier wurde ‘getrommelt‘, weiterhin der mäßige Umsatz von Schorndorf nach Schließung dieses Betriebes, ein kleines aber routiniertes Personal von dort und ein bezahltes Grundstück von zweitausend Quadratmeter Größe in einem wunderschön gelegenen Gewerbegebiet in dem geschichtsträchtigen schwäbischen Städtchen Lorch. Auf dieses ließen wir ähnlich der Vorgänge in Recklinghausen bei gleichem Anlass eine Halle bauen unter Einbringung aller Erkenntnisse aus unseren Betrieben und aus den letzten Jahren und die Räumlichkeiten mit modernster und leistungsstarker Technik ausstatten. Die Belastungen für die junge Firma waren enorm. Aber es ging uns ja darum, unter derzeitigen Marktverhältnissen einen solchen Anfang zu wagen und zu testen. Wir brauchten fünf Jahre, um frei aller Zweifel über Zeit und Möglichkeiten bei Übergabe der Firma in Schlangenbad zu sein und um auf die erste Bilanz mit „schwarzen“ Zahlen anzustoßen. ....
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Lerner, Hubert Neubeginn, 2001 Hubert Lerner, Schlangenbad ISBN 3-00-008088-0 Eigenverlag
Alle Rechte liegen beim Autor Schriftart: Times New Roman 13 Satz und Gestaltung: Simona Lerner Druck: Verlagsservice Wilfried Niederland, Königstein Printed in Germany
Versandpreis: Euro 12,00 (zzgl. Porto Euro 1,10) Bestellung bei Simona Lerner: sl@lerner-art.de
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