Die Farben des Seins
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Wolken treiben, windverspielte,
ziehen Schatten übers Feld,
locken Fantasiegebilde,
die Verstand gefangen hält.

Steigen aus dem Nass der Erde
in das weite Himmelslicht,
wandern, weißer Ballen Herde,
steter Wandel ihr Gesicht.

Narrend rinnt, was ich erkannte,
fügt sich neu für einen Blick,
wie Gedanken, die nichts bannte,
voller Schätze kehrn zurück.

Kann die Stunden nicht mehr zählen,
die ich träumend mitgezogen;
kann nichts Schöneres mir wählen,
hier zu liegen, aufgesogen
von der Herrlichkeit der Welt.

Aus dem Gras durch bunte Zweige
schau ich in das blaue All,
zu der späten Sonnenneige,
spür des Raumes Widerhall,
kann mich über alles weiten,
fliehen, was das Sein bedrängt,
wonnevoll die Arme breiten
nach dem Glück, das mich empfängt.
Plötzlich hab ich warm empfunden:
DANK — der Erde, die mich trägt,
fühl mich beidem gleich verbunden,
Frieden sich in's Herz mir legt.

- Hubert Lerner aus: Distel und Mohn